13.06.2018 - Pflanzenbau: Baywa setzt auf Satelliten, Sensoren und Saatgutbehandlung

Die Baywa AG hat auf den DLG-Feldtagen ihre diesjährigen Innovationen für den Pflanzenbau vorgestellt, die sich sowohl an konventionell als auch ökologisch wirtschaftende Betriebe richten. In der Anwendung von Satellitendaten in der Landwirtschaft sieht der Handels- und Dienstleistungskonzern eigenen Angaben zufolge großes Potenzial, um mögliche Einstiegshürden in Smart Farming speziell für kleinere und mittlere Betriebe zu senken. Für 2019 kündigt das Unternehmen zwei neue satellitenbasierte Düngeverfahren an.

"Wir sind überzeugt, dass die Digitalisierung in der Landwirtschaft maßgeblich auch von der Satellitenfernerkundung geprägt sein wird", sagte Roland Schuler, Baywa-Vorstandsmitglied und verantwortlich für den Bereich Agri Services, bei den DLG-Feldtagen. "Satellitendaten sind für jeden kostenfrei verfügbar. Aber die Daten alleine bringen dem Landwirt keinen Nutzen. Entscheidend ist, diese Daten aus pflanzenbaulicher Sicht valide aufzubereiten und den Landwirten für den Praxiseinsatz zur Verfügung zu stellen."

Mit N-fix und N-akut - so die Arbeitstitel - sollen 2019 zwei neue satellitenbasierte Verfahren in das Farm-Management-Informationssystem (FMIS) NEXT Farming von der Tochtergesellschaft FarmFacts eingebunden werden. Beide Verfahren ermöglichen demnach in der Kombination eine bedarfsgerechte Stickstoffdüngung, die sowohl das Ertragspotenzial - N-fix - als auch jahresspezifische Einflüsse - N-akut - berücksichtigt. Der Landwirt könne während der Vegetationszeit den Bestand per Satellit überwachen und erhalte taggenaue Vorhersagen zum aktuellen Düngebedarf. Die jeweilige Bestandsentwicklung fließe in die Bemessung der N-Gaben ein. Getreide, Raps und Mais sollen die ersten zu berechnenden Fruchtarten sein.

Mit einem Anteil von durchschnittlich 28 Prozent sind Wiesen und Weiden die am zweithäufigsten angebauten Kulturen in Deutschland nach Weizen. "Trotz seiner großen Bedeutung für viehhaltende Betriebe fand Grünland im Smart Farming bisher wenig Beachtung", so Schuler. Das wolle die Baywa gemeinsam mit FarmFacts und den Partnern Düvelsdorf und Fritzmeier Umwelttechnik ändern. Das Projekt Smart4Grass läuft den weiteren Angaben nach bereits erfolgreich auf vier Pilotbetrieben in Thüringen, Mittelfranken, Oberbayern und Württemberg. Es ermögliche einen effizienteren Saatgut-Einsatz bei der Nachsaat. Der Fahrer werde entlastet, Grünlanderträge und -qualitäten stiegen. Der höhere Proteingehalt im Grundfutter könnte in Zukunft weitere Vorteile in Bezug auf die Düngeverordnung bringen: Sollte die Derogation möglich sein, dürfen Betriebe mit jedem Prozent mehr Protein mehr organischen Dünger ausbringen.

Eine stark steigende Nachfrage registriert die Baywa zudem bei der chemiefreien Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten: Mehr als 700.000 Hektar Getreide wurden zur Ernte 2017 in Deutschland mit elektronenbehandeltem Saatgut bestellt. In dem Verfahren E-Pura werde Saatgut mittels Elektronen vollständig von anhaftenden Krankheitserregern befreit. Es sei damit auch für die Anwendung im ökologischen Landbau geeignet. Weitere Vorteile seien ein schnellerer Feldaufgang, bessere Fließfähigkeit in der Sämaschine, eine verbesserte Lagerfähigkeit des Saatguts und die Eignung der Saatgutreste als Futtermittel. Entwickelt wurde E-Pura vom Fraunhofer Institut. Die Baywa zählt zu den Förderern und Erstanwendern dieser Innovation. Weil die Nachfrage die Kapazität der bisherigen Pilotanlage mittlerweile übersteigt, investiert der Münchener Konzern 2018 in eine leistungsstärkere, mobile Anlage für die Spartenregion Ost.

Wie Satellitenanwendungen, Datenmanagementsysteme und vernetzte Maschinen die Landwirtschaft verändern, thematisiert die Baywa auch in einem aktuellen Whitepaper. Dieses kann unter dem Link http://bit.ly/Whitepaper_Digital_Farming kostenfrei gelesen und heruntergeladen werden.

MBI/12/sru/ssc/13.6.2018

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