05.12.2018 - Internationales Währungssystem: EU-Staaten sollen Rohstoffgeschäfte stärker in Euro abwickeln

Die EU-Staaten sollen sich stärker dafür einsetzen, dass europäische Unternehmen beim Handel mit Energie, Flug- und Fahrzeugen und Rohstoffen wie Metallen, Mineralien oder Agrarprodukten den Euro als Zahlungsmittel einsetzen. Eine entsprechende Empfehlung legte die EU-Kommission am Mittwoch vor, als Teil einer Strategie zur Stärkung der internationalen Rolle des Euro.

Die EU sei der weltgrößte Energieimporteur und habe dafür in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich 300 Milliarden Euro pro Jahr gezahlt - davon 85 Prozent in US-Dollar. Selbst untereinander wickelten EU-Unternehmen viele Geschäfte mit Rohstoffen und Industriegütern in Dollar ab. „Dadurch sind die Unternehmen Währungsrisiken und politischen Risiken ausgesetzt, etwa durch einseitige Entscheidungen, die Dollargeschäfte unmittelbar treffen“, schreibt die Kommission in ihrer Empfehlung. Sie werde künftig Mitgliedstaaten, zentrale Öl-Bevorratungsagenturen und Marktakteure „systematisch“ darauf hinweisen, dass in internationalen Energieabkommen und bei Geschäften der Euro genutzt werden sollte, sagte Energie- und Klimaschutzkommissar Miguel Arias Canete. Dies werde europäischen Unternehmen zu mehr Autonomie verhelfen und bei ihren Finanzierungen das Risiko rechtlicher Schritte durch Drittländer verringern. Das „kann uns unserem Ziel, die Versorgungssicherheit in der Energieunion zu gewährleisten, daher ein gutes Stück näherbringen“, sagte Canete.

Die in den vergangenen Jahren noch gewachsene internationale Bedeutung des US-Dollars ist für die USA ein regelmäßig eingesetztes Druckmittel, Sanktionen gegen andere Länder durchzusetzen. In jüngster Zeit war es wegen der Wiederaufnahme eigentlich schon beendeter Sanktionen gegen den Iran zum Streit mit den Europäern gekommen, die im Iran bedeutende wirtschaftliche Interessen haben. Dieser Streit schärfte das Bewusstsein von Öffentlichkeit und Politikern für die Bedeutung, die der Dollar für die USA in solchen politischen und Handelsstreitigkeiten spielt.



"Eine stärkere Nutzung des Euro in der Weltwirtschaft könnte dazu beitragen, Europas Bürger und Unternehmen gegen externe Schocks zu schützen und das internationale Geld- und Finanzsystem sicherer zu machen", sagte Wirtschafts- und Finanzkommissar Pierre Moscovici. Wie der Euro stärker bei Geschäften mit Öl, Gas, Raffinerieprodukten, Metallen und Mineralien, Agrar- und Nahrungsmittelerzeugnissen sowie Flug- und Fahrzeugen eingesetzt werden könnte und welche Hindernisse dem entgegen stehen, will die Kommission durch gezielte Konsultationen der Branchen herausfinden. Diese sollen Anfang 2019 beginnen. Im Sommer will die Kommission über die Ergebnisse und mögliche weitere Schritte berichten.

Außerhalb des Rohstoffmarktes will die Kommission etwa Finanzmarktteilnehmer dazu befragen, wie die Rolle des Euro im Devisenhandel gestärkt werden könnte, besonders bei so genannten „triangulären“ Geschäften, bei denen Devisen über eine intermediäre Währung getauscht werden - derzeit häufig der US-Dollar.

Häufig seien Marktinfrastrukturen und Zahlungssysteme für Dollartransaktionen attraktiver als solche für den Euro, sagte Moscovici. Die Kommission empfiehlt deshalb auch die Arbeit an soliden Referenzzinssätzen und einem integrierten Sofortzahlungssystem in der EU. Zu letzterem verwies Dombrovskis auf eine Initiative der Europäischen Zentralbank von November. Weiter empfiehlt die Kommission europäischen Einrichtungen, mehr auf Euro lautende Anleihen auszugeben. Außerdem müsse die Wirtschafts- und Währungsunion gestärkt, die Bankenunion vollendet und die Kapitalmarktunion voran gebracht werden.

Veränderungen würden Zeit brauchen, sagte Dombrovskis. „Die Marktteilnehmer selbst müssen entscheiden, in welcher Währung sie handeln und ihre Rücklagen bilden möchten“, erklärte er. Die EU-Politik müsse Anreize setzen, die den Euro attraktiver machen. 2017 wurden laut Kommission 40 Prozent aller internationalen Zahlungen in US-Dollar abgewickelt und 36 Prozent in Euro. Von den internationalen Beständen an Reservewährungen entfallen demnach 62 Prozent auf Dollar und 20 Prozent auf Euro.

Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber sagte, der Euro werde langfristig nur dann international eine gewichtige Rolle spielen, wenn an seiner Stabilität nicht die geringsten Zweifel bestünden. „Der größte Beitrag, den die Kommission zu einem erfolgreichen Euro leisten kann, würde darin bestehen, die Aufsicht über die Einhaltung der Fiskalregeln an eine unabhängige Institution wie den ESM zu übertragen“, erklärte Ferber.

MBI/fra/DJN/hab/ssc/5.12.2018

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