01.02.2018 - FNR: Standardwerte überschätzen Lachgas-Emissionen bei Raps

Die Treibhausgas-(THG)-Emissionen im Rapsanbau werden nach Ansicht von Forschern falsch bewertet. Globale Standardwerte überschätzten die Lachgas-Emissionen im Rapsanbau, teilte die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) jetzt als Ergebnis eines Forschungsprojekts zum Anbau von Raps und den damit verbundenen Treibhausgas-(THG)-Emissionen mit. Das Projekt wurde von einem Verbund von acht Partnern unter Koordination des Thünen-Instituts (TI) für Agrarklimaschutz durchgeführt. Ziel des Vorhabens war es demnach, herauszufinden, ob die THG-Emissionen im Rahmen von Klimaschutzvereinbarungen für Deutschland realistisch bewertet werden. Ergebnis: Der Lachgasemissionsfaktor zur THG-Bilanzierung beim Raps ist für deutsche Verhältnisse zu hoch angesetzt.

Die mit Abstand höchsten THG-Emissionen beim Anbau der wichtigsten Energiepflanze für Biokraftstoffe in Deutschland entstehen nach Auskunft der FNR durch Feldemissionen von Lachgas und die Herstellung des benötigten synthetischen Stickstoff-(N)-Düngers. Laut den Vorgaben der EU (RL EU 2015/1513) müssen Biokraftstoffe seit dem 1. Januar 2018 mindestens 60 Prozent - bei Altanlagen sind es 50 Prozent - an THG-Emissionen im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen einsparen. Für die THG-Bilanz können Biokraftstoffhersteller Standardwerte aus der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU oder regionalisierte Inputwerte für die Betriebsmittel wie Dünger und Kraftstoff verwenden.

Nach den Ergebnissen des TI-Projekt-Verbundes sind die Werte für Deutschland jedoch unrealistisch. So sei die veranschlagte Düngermenge zu niedrig, der Lachgasemissionsfaktor hingegen insgesamt zu hoch angesetzt, berichtet die Fachagentur: Demnach sind statt der angenommenen 34 Kilogramm Stickstoff pro Tonne Raps 50 bis 56 Kilogramm praxisüblich. Der Faktor für Lachgas (N2O) wiederum liege nicht bei 1,0, sondern nur bei 0,6 Prozent, erläutert die FNR. Das stellten die an dem Projekt beteiligten Wissenschaftler demnach durch die Anwendung einer neuen, differenzierteren Methodik fest. Die Forscher raten deshalb dazu, künftig diese neue Methode mit realistischen Werten anzuwenden, damit die THG-Bilanz von Raps-Biodiesel nicht schlechter ausfalle, als sie tatsächlich ist. Außerdem empfehlen sie, synthetische durch organische Dünger zu ersetzen, etwa durch Gärreste, da diese im Projekt bei Minimierung der Ammoniakausträge die THG-Bilanz verbesserten. Ferner sollen bei der Produktion synthetischer Dünger Lachgasemissionen vermieden sowie Energie eingespart und durch erneuerbare Energien ersetzt werden, fordern die Wissenschaftler.

Sie konnten laut FNR zudem zeigen, dass sich hierzulande bei der Fruchtfolge Raps-Weizen im Vergleich zu Weizen-Weizen im Getreide durchschnittlich rund 5 Kilogramm Stickstoff je Hektar einsparen lassen und ungeachtet dessen ein Weizenmehrertrag von 5,6 Dezitonnen je Hektar erzielt werden kann. Dieser Vorfruchteffekt müsse dem Raps gutgeschrieben werden, meinen die Forscher.

MBI/12/jc/ssc/1.2.2018

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