09.10.2018 - Bessere Margen als Ziel: Fonds drängen auf Veränderungen bei Bunge

Der Hedgefonds D.E. Shaw & Co. hat seine Beteiligung am US-Agrarkonzern Bunge erhöht. Nun drängt er den Getreidehändler, operative Verbesserungen vorzunehmen und Vorstandsmitglieder hinzuzufügen, wie mit der Materie vertraute Kreise berichten. Der aktivistische Investor arbeitet mit Continental Grain zusammen, einer landwirtschaftlichen Investmentgesellschaft. Die Firmen, die zusammen weniger als 5 Prozent an Bunge besitzen, hatten in den vergangenen Wochen mit dem Management gesprochen und eine Einigung mit dem Unternehmen erzielen können, so die Kreise.

Die Investoren versuchen, den in White Plains ansässigen Getreidehändler zu überzeugen, seine Geschäftstätigkeiten zu fokussieren, die Margen zu verbessern und Vorstandsmitglieder zu ersetzen. Sie drängen zwar nicht auf einen Verkauf des Unternehmens, das in den vergangenen Jahren Übernahmeangebote von Archer Daniels Midland (ADM) und Glencore erhalten hatte. Aber letztendlich könnten die Investoren ihn doch anstreben, verlautete aus den Kreisen. "Wir stehen in einem kontinuierlichen Dialog mit D.E. Shaw und Continental Grain und schätzen ihren gemeinsamen Beitrag, wie wir das mit allen unseren Aktionären tun. Ziel ist es, den Shareholder Value zu steigern", sagte eine Bunge-Sprecherin.

Es ist nicht klar, wie groß der Anteil von D.E. Shaw an Bunge ist, aber laut den Quellen sollen es mehr als die 0,06 Prozent sein, die der Hedgefonds Ende Juni offenbarte. Continental Grain hält mehr als 1 Prozent der Bunge-Aktien.

Im März hatte das Wall Street Journal berichtet, dass Continental Grain bestrebt ist, Bunge dazu zu bewegen, strategische Optionen zu prüfen. Der Getreidehändler, der einen Marktwert von etwa 10 Milliarden US-Dollar hat, stand damals noch in Übernahmegesprächen mit ADM. Doch die Verhandlungen kamen nur langsam voran und wurden später auf Eis gelegt (MBI berichtete). Zudem hatte der Schweizer Rohstoffhändler Glencore im vergangenen Jahr einen Übernahmeversuch bei Bunge unternommen, doch die beiden Seiten kamen nicht zu einer Einigung.

Bunge ist einer der weltweit größten Händler für Agrarrohstoffe wie Sojabohnen, Mais und Weizen. Die Aktien der Gesellschaft haben in den vergangenen zehn Jahren einschließlich der Dividenden eine Rendite von 6,9 Prozent erzielt, was laut FactSet deutlich unter der Gesamtrendite des S&P 500 von 13,8 Prozent liegt.

Agrarunternehmen wie Bunge und ADM haben weltweit mit einem wachsenden Angebot zu kämpfen, das durch aufeinander folgende Rekordernten in Nord- und Südamerika verursacht wurde. Die Aussichten für dieses Jahr haben sich verbessert, was zum Teil auf eine Dürre in Argentinien zurückzuführen ist, die die Sojabohnenvorräte reduziert und zu Preiserhöhungen beigetragen hat.

Bunge überraschte die Anleger im August mit einem Verlust von 12 Mio USD im zweiten Quartal. Grund waren Derivate-Positionen, die darauf abzielten, die Gewinne des Unternehmens beim Soja-Crush abzusichern. Der Vorstandsvorsitzende von Bunge, Soren Schroder, sagte damals, dass das Unternehmen zu seiner Gewinnprognose von 1,3 Mrd USD für das Gesamtjahr steht. Zugleich versicherte er den Investoren, dass Bunge für den weiteren Verlauf des Jahres vorteilhafte Gewinnmargen festgeschrieben habe. Das Unternehmen senkt darüber hinaus die Kosten und erwartet, in diesem Jahr bereits 150 Mio USD an Ausgaben einzusparen.

D.E. Shaw - die ihre aktivistische Praxis nach der Einstellung von Quentin Koffey von Elliott Management verstärkt hat - arbeitet in der Regel lieber mit dem Management hinter den Kulissen. Der Hegdefonds rüttelte erst Anfang dieses Jahres den Vorstand des US-Einzelhändlers Lowe's auf, unter anderem durch Satellitenbilder, mit deren Hilfe die Anzahl der Autos auf den Parkplätzen von Lowe's im Vergleich zu denen beim Konkurrenten Home Depot analysiert wurde.

MBI/DJN/sru/ste/9.10.2018

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