11.07.2018 - Bayer-Tochter: US-Klagen gegen Monsanto wegen Glyphosat zugelassen

Im Streit um mögliche Krebsrisiken der Chemikalie Glyphosat in ihrem Unkrautvernichter Roundup hat die Bayer-Tochter Monsanto vor einem US-Gericht einen juristischen Rückschlag erlitten. Ein Bundesrichter in San Francisco ließ einige hundert Einzelklagen zur Klärung dieser Frage zu. Monsanto hatte beantragt, die Klagen abzuweisen. Richter Vince Chhabria äußerte nach einer langen Anhörung zwar "erhebliche Bedenken" hinsichtlich der Argumentation der Betroffenen. Auch sei es "eine sehr schwierige Frage" zu entscheiden, ob "eine vernünftige Jury" die von den Klägern behauptete Krebsursache bestätigen werde. Es sei jedoch seine Aufgabe, festzustellen, ob die Argumente in einem Prozess zulässig und nicht ob sie richtig seien.

Einige hundert Landwirte, Gärtner und private Verbraucher werfen dem US-Agrarchemiekonzern vor, Roundup habe bei ihnen Lymphdrüsenkrebs ausgelöst. Monsanto streitet diesen Zusammenhang ab. Die Frage ist auch unter Experten umstritten; die meisten Behörden weltweit halten Glyphosat für nicht krebserregend. Einzig die Krebsforschungsagentur bei der Weltgesundheitsorgansisation WHO stufte den Stoff 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" ein.

Richter Chhabria schloss zwei der von den Klägern aufgebotenen Experten allerdings von den Verfahren aus. Die Einschätzung eines weiteren ließ er nur "stark eingeschränkt" zu. Monsantos Strategiechef Scott Partridge sagte, nur einer der von seinem Unternehmen vorgeschlagenen Experten werde in seiner Aussage beschränkt sein. Ein erster Glyphosat-Prozess gegen Monsanto hatte bereits am Montag begonnen. Grundlage dafür war, dass der Kläger, ein 46-jähriger Schul-Hausmeister, an dem Krebs bereits im Endstadium leidet.

Das Totalherbizid Roundup ist einer der großen Umsatzbringer von Monsanto. Das Unternehmen gehört seit kurzem zu Bayer. Baader-Helvea-Analyst Markus Mayer glaubt nicht, dass die Entscheidung zur Zulassung der Klagen erhebliche Folgen für Bayer haben wird. Der Anteil von Glyphosat am Bayer-Umsatz liege bei unter 7 Prozent. Mayer schreibt, solange es keine Alternativen gebe - er rechnet damit wenigstens für fünf Jahre nicht - dürfte der Absatz des Mittels weiter steigen.

MBI/DJN/ssc/11.7.2018

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