10.04.2018 - Bayer-Aktie legt zu: Übernahme von Monsanto dürfte bald in trockenen Tüchern sein

Die Bayer-Aktie profitiert mit einem Kurssprung von der Aussicht, dass nach der EU-Kommission nun auch das US-Justizministerium die Übernahme des Saatgutriesen Monsanto freigeben wird. Sollte sich ein entsprechender Bericht des Wall Street Journal (WSJ) bewahrheiten, so dürfte der vor allem bei Umweltschützern umstrittene Deal bald wie von Bayer geplant in trockenen Tüchern sein. In Frankfurt legen Bayer im frühen Handel um 5 Prozent auf 98,12 Euro zu und ist damit mit Abstand Spitzenreiter im DAX.

Zwar gibt es einige weitere Wettbewerbsbehörden, darunter Kanada und Mexiko, deren Zustimmung noch aussteht, doch wird hier nicht mit Problemen gerechnet. Auch der Chef der russischen Kartellaufsicht hatte kürzlich signalisiert, dass er noch in diesem Monat eine positive Entscheidung erwartet.

Analysten waren zwar auch bisher der Meinung, dass der mehr als 60 Milliarden Dollar schwere Deal zustande kommen würde, hatten zuletzt aber auf den Unsicherheitsfaktor USA hingewiesen. Dort war im November die Übernahme von Time Warner durch AT&T blockiert worden. Anders als Bayer war AT&T zu strukturellen Veränderungen bei seinem Deal nicht bereit.

Laut WSJ-Informationen erkauft sich Bayer die Freigabe in Washington mit dem Verkauf weiterer Saaten und Saatgutbehandlung. Auch machen beide Seiten weitere Zugeständnisse beim zukunftsträchtigen digitalen Agrargeschäft, bei dem Bayer und Monsanto Landwirte mit Hilfe von Daten bei der Bestellung ihrer Felder beraten. Wie zuvor soll auch bei diesen Zugeständnissen BASF als Käufer zum Zuge kommen.

Der Ludwigshafener Konzern würde damit alle Geschäfte übernehmen, von denen sich Bayer auf Druck der Wettbewerbshüter trennen muss. Im Oktober vereinbarten beide Konzerne bereits einen Teilverkauf für 5,9 Milliarden Euro, derzeit verhandeln die Leverkusener auch noch über das Geschäft mit den Gemüsesaaten exklusiv mit BASF. Bayer verzichtet bisher auf einen Jahresumsatz von etwa 1,7 Milliarden Euro. Mit dem jetzt in Washington ausgehandelten Deal dürfte das Volumen weiter steigen - die DZ Bank geht aktuell von rund 2 Milliarden Euro aus.

Laut Vertrag hättte Bayer ab einem aufzugebenden Umsatzvolumen von 1,6 Milliarden Euro das Recht, die 62,5 Milliarden Dollar schwere Übernahme abzublasen. DZ-Bank-Analyst Peter Spengler erwartet allerdings nicht, dass dies "wegen geringfügig höherer Auflagen" geschieht, wie sie das US-Justizministerium jetzt verlangt.

MBI/DJN/map/10.4.2018

Weitere Plattformen der MBI Infosource