09.04.2018 - Agrar-Futures: Private Blockgeschäfte jenseits der CME stoßen auf Kritik

Seit Januar erlaubt der weltweit größte Börsenbetreiber CME Group Hedgefonds, Getreidekonzernen und anderen Marktteilnehmern, Futures und Optionen auf Mais, Vieh und andere Agrarrohstoffe untereinander in Blöcken zu handeln. Diese Massengeschäfte machten große Transaktionen effizienter und den Handel in weniger genutzten Märkten leichter, argumentiert die CME. Kritiker dagegen sorgen sich, dass die Märkte für Getreide und Schlachtvieh weniger transparent werden könnten, wie das Wall Street Journal berichtet.

So klagen einige Getreidefirmen und Händler, die sich auf die CME-Preise verlassen, dass die Börsendaten nicht mehr so genau seien, wenn mehr Transaktionen aus der Öffentlichkeit verschwänden. Geschäfte vorbei am offenen Markt seien von Nachteil für sie, um faire Preise für Waren wie Weizen zu ermitteln.

David Durra, unabhängiger Händler aus San Diego, spricht von einem "Schattenmarkt". Er habe kürzlich versucht, auf der elektronischen Plattform der CME Mais-Kontrakte zu handeln, als eine Block-Transaktion mit mehreren tausend Kontrakten auf seinem Bildschirm angezeigt wurde. Keiner dieser Kontrakte hätte zum gleichen Preis einen Abnehmer am offenen Markt der CME gefunden, klagte Durra. Auch die National Grain and Feed Association meldete ihre Bedenken gegenüber dem Blockhandel an. Zwar sehe der Getreidehandelsverband auch das steigende Handelsvolumen, sagte ein Sprecher, doch wenn die Volumina zu stark stiegen, sei zu fürchten, dass die Marktbeteiligung beschränkt werden könnte, insbesondere bei kleineren Absicherern. Die großen Händler wie ADM, Cargill und Bunge äußerten sich nicht zu dem Thema.

Tim Andriesen, Geschäftsführer für Agrarprodukte an der CME, betonte indes, dass Blockgeschäfte die Preisbildung nicht bedrohten und für mehr Liquidität sorgten. Zudem habe der offene Markt für die Börse weiterhin Priorität. Bislang machten Blockgeschäfte weniger als 0,25 Prozent des Handelsvolumens der CME an den Agrarmärkten aus. An anderen Märkten wie dem Energiehandel hatten sie 2017 einen Anteil von 3 Prozent. Zudem hätten Blockgeschäfte die Aktivität in Nischenmärkten wie dem für Weizenkontrakte aus der Schwarzmeerregion erhöht. Die Hälfte aller Blockgeschäfte im Agrarbereich wird laut CME getätigt, wenn sich die Kontrakte ihrem Ablaufdatum näherten und der allgemeine Handel zunehme.

Händler wiesen indes darauf hin, dass es Blockgeschäfte auch bei breit gehandelten Kontrakten gebe, wo es leicht sei, Käufer und Verkäufer zu finden. Das bringe sie um die Chance, selbst große Transaktionen zu handeln. Kritisiert wurde auch, dass die Blockgeschäfte das Verständnis einer dynamischen Preisbildung unterminieren könnten, da sie erst mit einer Verzögerung von 5 oder 15 Minuten veröffentlicht würden. Die Commodity Futures Trading Commission (CFTC) ist bereits dabei, die Blocktransaktionen zu überprüfen.

Einige Agrarverbände fürchten zudem, dass Blockgeschäfte es erschweren könnten, Preisrisiken abzusichern. Der Verband der Rinderzüchter, die U.S. Cattlemen's Association, wies auf die bereits niedrigen Volumina an Märkten für Lebendvieh hin. Dort könnten Blockgeschäfte die Beteiligung noch einmal verringern.

MBI/sru/ste/9.4.2018

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