12.10.2017 - Global Food Forum: ADM-Chef warnt vor falscher Sicherheit

Mehrere Rekordernten in Nord- und Südamerika haben die Kornspeicher anschwellen lassen. Juan Luciano, Chef des US-amerikanischen Agrarkonzerns Archer Daniels Midland (ADM), warnte jedoch beim Global Food Forum des Wall Street Journals (WSJ) die Politik, sich vor diesem Hintergrund beim Thema Welternährung in falscher Sicherheit zu wiegen. Bis 2050 werde die Weltbevölkerung auf rund 9,7 Milliarden Menschen ansteigen. Dies habe zur Folge, dass die Menschheit in den nächsten 40 Jahren zusammengerechnet mehr Nahrung werde erzeugen müssen als in den 10.000 Jahren zuvor. Hierfür seien kontinuierliche Investitionen in Agrar-Technologie erforderlich, betonte Luciano. Zwar gebe es im Moment einen Überfluss an Getreide, dieser könne allerdings zu dem selbstgefälligen Gedankengang führen, dass auch weiterhin schon alles gut gehen werde.

Kritik übte Luciano zudem an der US-Regierung, da diese weiterhin keine konkreten Pläne für Investitionen in die Transport-Infrastruktur des Landes vorgelegt hat. Getreidehändler und -anbauer würden auf eine Präzisierung des von Präsident Donald Trump vorgeschlagenen Investmentplans warten, betonte der Konzernchef. Die umfassende und wenig kostenintensive Infrastruktur habe der US-Wirtschaft immer einen Vorteil gebracht, doch mittlerweile seien einige der Hauptkonkurrenten bei diesem Thema an den Vereinigten Staaten vorbeigezogen. "China will seine Infrastruktur für 1,4 Billionen US-Dollar auf den neuesten Stand bringen, Brasilien wird seine Getreide-Transportwege für bis zu 14 Milliarden US-Dollar instand setzen", so Luciano. In diesem Kontext sei eine Diskussion um die Infrastruktur sehr wichtig.

US-Agrarminister Sonny Perdue will amerikanischen Agrarkonzernen und Erzeugern neue Wege schaffen, damit diese auf legalem Wege Einwanderer als Arbeitskräfte anheuern können. Dies bekräftigte Perdue auf dem WSJ-Forum. "Ich möchte zur Einführung eines Gastarbeiterprogramms, auf das viele Erzeuger angewiesen sind, beitragen", so der Politiker. Der republikanische Abgeordnete Robert Goodlatte hat bereits ein neues Gesetz vorgeschlagen, das den ganzjährigen Einsatz von Gastarbeitern in der Landwirtschaft ermöglichen soll. Sonny Perdue äußerte sich indes nicht dazu, ob er den Vorstoß unterstützt.

Über die Grenzen des Lebensmittelversands bis an die Haustür in den USA sprach Dick Boer, Chef der niederländischen Supermarktkette Ahold Delhaize. Die schiere Größe des Landes und die hohen Kosten bei der Lieferung in schwach besiedelte Gebiete mache es schwer, ein effizientes Modell für Hauslieferungen zu entwickeln. Für Online-Versandmodelle werde es daher Beschränkungen geben.

Einige US-Nahrungsmittelkonzerne und Einzelhändler, wie etwa Whole Foods, setzen unterdessen wieder auf langsamer wachsende Hähnchen. Zuvor war Kritik laut geworden an der Abhänigkeit der US-Fleischindustrie von schweren, schnell wachsenden Vögeln. Tom Hayes, Chef des Fleischkonzerns Tyson Foods, sagte, sein Unternehmen werde alle Aspekte des Themas betrachten. So bräuchten langsamer wachsende Vögel mehr Futter und Wasser und müssten gesund gehalten werden. "Wir suchen nach einer Möglichkeit, den Bedarf zu befriedigen, ohne diese Nachteile in Kauf nehmen zu müssen", so Hayes.

MBI/DJN/ses/ste/12.10.2017

Weitere Plattformen der MBI Infosource